Hanjo 2008
Hanjo´s Gästebuch
Impressum
E-Mail an Hanjo
Land und Leute


Gefunden bei http://www.brunnvalla.ch/schweden/index.htm 

und übernommen mit freundlicher Genehmigung vom 29.02.2004

SCHWEDEN   -   LAND UND LEUTE

Aus europäischer Sicht ist Schweden eine kleine Nation. Knapp 9 Millionen Einwohner auf einer Fläche von 449.964 km². Mit dieser Einwohnerzahl gehört Schweden zu den am dünnsten besiedelten Ländern Europas. Dafür gibt es eine einfache Erklärung: das nordische Klima ist so hart und fordernd, dass es in früheren Zeiten keine größere Bevölkerung ernähren konnte. Erst in moderner Zeit gelang es den Menschen, die Natur mit Hilfe der Technik zu "zähmen" und der Bevölkerung ein bequemes Leben zu ermöglichen. Dass soweit nördlich wie in Skandinavien überhaupt eine bedeutende Zivilisation entstehen konnte ist auf den Golfstrom im Atlantik, der entlang der norwegischen Westküste verläuft und das Klima in ganz Skandinavien erwärmt, zurückzuführen. Andere Landgebiete auf entsprechenden Breitengraden in anderen Regionen der Welt sind ja im großen und ganzen unbewohnbar, da der Dauerfrostboden der Tundra Landwirtschaft und Viehzucht nicht zulässt.

Schweden besteht zu 80 Prozent aus riesigen Wäldern, Bergen, Seen, Flüssen, Mooren und Wildnis. Auch große Städte, darunter auch Stockholm, sind in der urwüchsigen Natur eingebettet. Das Verhältnis zwischen der Größe der Natur und der Kleinheit des Menschen prägt noch heute die schwedische Seele. Der Zugang zu urwüchsiger Natur ist selbstverständliches Recht aller Schweden. Das Allemansrätten ist ein uraltes Gewohnheitsrecht, das Recht auf Gemeingebrauch, das in der Gesetzgebung verankert ist und jedem bei verantwortungs- und rücksichtsvollem Verhalten das Recht garantiert, sich überall in der Natur frei bewegen zu dürfen, ohne den Grundbesitzer um Erlaubnis zu bitten. Eine große Liebe, aber auch für die moderne schwedische Gesellschaft fast mit einer Staatsreligion zu vergleichen.

Die Schätze der Natur machten Schweden zu einer reichen, fortschrittlichen Nation. Die Pflege der Natur ist im schwedischen Bewusstsein tief verwurzelt. Mit großer Entschlossenheit verteidigen und schützen die Schweden diesen nationalen Schatz, der immer einzigartiger und wertvoller wird, je mehr die Weltbevölkerung zunimmt. Frische Luft, sauberes Wasser, gesunde Wälder, freie große Flächen und intakte, urwüchsige Natur, die für alle zugänglich sind.

Freundlich, fleißig, ordentlich, rechtschaffen, gutgläubig, schüchtern und reserviert, knauserig und ein bisschen schwerfällig - so wird der Schwede von ausländischen Beobachtern und auch von den Schweden selbst beschrieben. Stimmt dieses Klischee? Ja, in vielem, im Guten wie auch im Schlechten. Noch vor gut einem Jahrhundert war Schweden ein primitives Bauernland, eines der ärmsten in Europa. Um in dem kargen Klima zu überleben, brauchte man Eigenschaften wie Fleiß, Geduld, Erfindungsreichtum und die Fähigkeit zur Zusammenarbeit. Tugenden, die die Entstehung der heutigen schwedischen Gesellschaft geprägt haben. Gleichheit und Kollektivismus sind zwei Schlüsselbegriffe für die Beschreibung der Schweden. Die Überzeugung, dass kein Mensch mehr wert ist als ein anderer, durchdringt das schwedische Weltbild. Von einem Schweden wird erwartet, dass er sich pflichtbewusst um seine Angelegenheiten kümmert, hart arbeitet und Verantwortung für andere übernimmt. Elitäres Bewusstsein, Extravaganz und Lebensstile, die von der Norm abweichen, sind für viele Schweden noch tabuisierte Erscheinungen.

Aber der Schwede hat auch eine andere Seite, die dem oben beschriebenen, kontrollierten Bild widerspricht. Sie zeigt sich in einer Art Ausgelassenheit, einer Fähigkeit, Feste und Freizeit in vollen Zügen zu genießen. Dem Schweden ist die Freizeit heilig - wenn er nicht arbeitet, widmet er sich unbekümmert den Annehmlichkeiten des Lebens, ohne sich allzu viele Gedanken darüber zu machen, was andere wohl denken.

Strebsam, pflichtbewusst und kontrolliert bei der Arbeit, in der freien Zeit ausgelassen und unbekümmert das Leben genießend - eine gute Beschreibung des typischen Schweden, eines hoch zivilisierten Weltbürgers, der noch mit beiden Beinen mit der Erde verwurzelt ist.

Die Schweden schämen sich ihrer einfachen Herkunft, vielleicht beruht darauf ein weiterer typischer schwedischer Charakterzug: die Neigung, sich selbst in allen möglichen Zusammenhängen herabzusetzen und sich über sich selbst lustig zu machen. Wenige Völker dürften die negativen Seiten ihres Heimatlandes so begierig hervorheben wie gerade der Schwede. Ein Außenstehender, der Schweden über ihr Land sprechen hört, kann leicht den Eindruck gewinnen, dass die Schweden ein äußerst antinationalistisches Volk sind.

Ein solcher Eindruck wäre falsch. Die Klagen der Schweden sind statt dessen Ausdruck einesTraditionen weiteren Charakterzuges: Des Perfektionismus. Alles, was nicht perfekt ist, kann verbessert werden und muss deshalb nach schwedischer Auffassung beklagt werden. Das Gute ist häufig selbstverständlich.