Hanjo 2008
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. . . in Deutschland

Unser Leben in Vluyn verlief zwar nach meiner ungewollten Pensionierung ruhiger, aber wir fühlten uns nicht so richtig wohl. Alles war hektisch, jeder befand sich im Stress, alles war unruhig, ja ängstlich. Immer wieder kam das Thema Was ist hier bloß los? zum Tragen.

Es gab bei Treffen und Zusammenkünften in Deutschland mit Freunden und Nachbarn immer wieder nette Gespräche, die sich aber im Verlauf dann irgendwann ausschließlich um Arbeiten, Geld verdienen, Miet- und andere Erhöhungen und ähnlichem drehten. Jeder ist am Schimpfen, keiner so recht zufrieden. Jeder hat Stress, zu viele nicht nur im Beruf. Alle haben Angst um ihre Zukunft und die ihrer Kinder, wie wir auch. Auch die derzeitige Situation dort regt mich nicht zu Hoffnungen auf positive Änderungen an, das Gegenteil ist der Fall.

Hinzu kamen 2001 für mich die immer größer werdenden und nicht nachvollziehbaren finanziellen Belastungen für das Notwendigste wie Miete, Heizung, Strom, Telefon usw. Nicht nur ich hatte das Gefühl, dass sich irgendwelche Leute die Taschen voll stopften, ohne uns den tatsächlichen Gegenwert dafür zu überlassen; Nachzahlungen von mehreren Tausend DM bzw. später mehreren Hundert Euro im Folgejahr für die Nebenkosten für unsere Wohnung sind bereits damals zur Normalität geworden; wir hatten trotz vieler Versuche keinerlei Einfluss darauf.

Nur noch raus . . .Hinweise und Vorschläge von uns Mietern, durch besser durchdachte organisatorische Maßnahmen, z.B. bei der Müllbeseitigung, Geld einzusparen, wurden mit fadenscheinigen Begründungen abgewiesen. Selbst Politiker, an die wir uns gewandt haben, konnten scheinbar nichts dagegen tun - oder wollten nicht, denn die neue Müllverbrennungsanlage musste ganz offensichtlich finanziert werden.

Die Politik in Deutschland verlief meines Erachtens in eine Richtung, die bestimmte Leute immer reicher, die in Abhängigkeit Arbeitenden aber immer ärmer machte. Dort wollten wir nicht mehr leben und der Entschluss, aus diesem ja noch heute (2016) total überorganisierten und darum agonisierenden Land weg zu gehen - egal wohin - wurde sehr stark.

Unsere Freunde und Bekannten haben unserem Reden vom Auswandern nicht so richtig geglaubt, obwohl wir offen unsere Überlegungen geäußert haben. Die meisten konnten sich auch gar nicht vorstellen, dass man überhaupt so etwas tun könnte (können es aber inzwischen nachvollziehen). Erst als wir unseren Abschied (besser: unseren bevorstehenden Neubeginn in Småland) im Garten feierten und quasi der Möbelwagen vor der Tür stand und beladen wurde, erst da wurde allen bewusst, dass es uns tatsächlich ernst war; obwohl wir über unsere Gründe und auch den jeweiligen organisatorischen Fortschritt vorher nicht geschwiegen hatten.

Aber ein Deutscher verlässt sein Geburtsland nicht, so dachten und denken viele und nehmen damit billigend hin, was ihnen vorgesetzt wird - wohl wissend, dass man selber praktisch nicht in der Lage ist, an dieser Situation etwas zu ändern, dem ungebremsten Machtstreben Einzelner und der immer größer werdenden Macht- und Geldgier vieler Gruppen nichts entgegenzusetzen hat. Und ich muss feststellen, dass sich das bis heute nicht geändert hat, eher ist das Gegenteil der Fall.

Diesbezügliche eigene Erfahrungen vor und während meiner Pensionierung haben mich damals in meinem Entschluss bestärkt, die Menschen zu verlassen, für die nur ihre Karriere, ihre Macht zählt, die den Begriff Freiheit ohne Berücksichtigung der berechtigten Interessen anderer definieren und meinen, Schicksale rücksichtslos in Kauf nehmen zu können, um ihre eigene Stellung, ihre eigene Macht zu erhalten und ausbauen zu können. Dass sie dabei nicht mit offenem Visier handelten, machte das alles für mich noch schlimmer.

Zugegeben, nicht jedem ist es praktisch möglich, Persönliches aufzugeben und in einem anderenUnsere Erfahrungen in Schweden Land neu anzufangen, aus emotionalen wie auch - meist eher - aus wirtschaftlichen Gründen. Auch uns war das vor meiner Pensionierung sicherlich nicht möglich. Aber trotz der zurückgebliebenen Freunde und unserer Kinder haben wir unseren Umzug bis heute nicht bereut.