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Geschichte Schwedens

Gefunden bei http://www.brunnvalla.ch/schweden/index.htm

und übernommen mit freundlicher Genehmigung vom 29.02.2004

GESCHICHTE

Betrachtet man die heutige friedliche schwedische Gesellschaft, kann man sich schwer vorstellen, dass in früherer Zeit die Schweden ein Volk von Kriegern und Eroberern war. Die Wikinger versetzten Europa in Furcht und Schrecken und die Kriegskönige Gustav II. Adolf (1594 - 1632) und Karl XII. (1682 - 1718) setzten mit Feldzügen in Russland, Polen, Balkan und Deutschland die blutige Tradition fort. Im 17. Jahrhundert war Schweden eine europäische Großmacht, deren Ostseeherrschaft Finnland, die heutigen baltischen Staaten sowie die an der Ostsee gelegenen Teile von Russland, Polen und Deutschland umfasste. Auch Norwegen war der schwedischen Krone unterworfen. Die schwedische-norwegische Union wurde erst 1905 aufgelöst.

Anfang des 19. Jahrhunderts war Schweden nach jahrhundertelangem Krieg führen eine wirtschaftlich ausgehungerte, kriegsmüde Nation, deren Überlebenschance vor allem im Frieden bestand. Die heutigen Grenzen des Landes wurden 1809 festgelegt. Seit 1814 ist Schweden an keinem Krieg mehr beteiligt gewesen. Nur wenige Nationen der Welt können auf eine solche lange Friedenszeit zurückblicken.

DAS SCHWEDISCHE WIRTSCHAFTSWUNDER

Die Friedenszeit war eine der Grundvoraussetzungen für den Aufbau der modernen schwedischen Gesellschaft. Dabei spricht man vom schwedischen Wirtschaftswunder, das wegen dem hohen Tempo manchmal mit dem japanischen Wirtschaftswunder späterer Zeit verglichen wird.

Eine Reihe von Veränderungen im 19. Jahrhundert verbesserten die Voraussetzungen der Nation radikal. Der alte Ständereichstag wurde abgeschafft und die Wirtschaft dereguliert, was privates Unternehmertum ermöglichte. Durch den Ausbau des Eisenbahnnetzes wurden die ergiebigen nordschwedischen Naturressourcen an Wald, Erz und Wasserkraft plötzlich für die Gesellschaft und den Export nutzbar. Im übrigen Europa war die Industrialisierung bereits im Gange. Die Nachfrage nach schwedischem Bauholz, schwedischem Erz und schwedischen Industrieprodukten war fast unbegrenzt. Kapital begann nach Schweden zu strömen.

Eine große Anzahl einzigartiger schwedischer Erfindungen sowie glänzende unternehmerische Fähigkeiten in der metallverarbeitenden Industrie während einiger Jahrzehnten um die Jahrhundertwende legten den Grundstein für die schwedische industrielle Revolution. Lars Ericsson, Alfred Nobel, Gustaf de Laval, Jonas Wenström und viele mehr machten in dieser Zeit ihre Erfindungen und gründeten die Unternehmen, die noch heute das Fundament der schwedischen Exportindustrie bilden.

Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Schweden eine Position unter den führenden Industrienationen Europas inne. Diese Position wurde dann, trotz einiger vorübergehender Rückschläge, durch die beiden Weltkriege noch gestärkt. Weil Schweden sich als neutrales Land aus den Kriegen heraushalten konnte, verdiente die schwedische Industrie einerseits am Export an die aufrüstenden und kriegsführenden Nationen und anderseits am Wiederaufbau des zu einem großen Teil zerstörten Europas, da der schwedische Produktionsapparat völlig intakt war.

DER WOHLFAHRTSSTAAT

Die Nachkriegsjahre 1945 - 1970 waren für Schweden eine beispiellose wirtschaftliche Blütezeit. In dieser Aera entwickelte sich das Land zur reichsten Nation der Welt. Der Lebensstandard des Volkes wurde im Hinblick auf Wohnungen, Arbeitsleben, Bildung, Kinderbetreuung, Gesundheitswesen, Altersfürsorge sowie allerlei anderer Sozialleistungen entscheidend verändert und verbessert. Im Ausland wurde die schwedische Verteilungspolitik, die auf einer durch hohe Steuern finanzierten allgemeinen Wohlfahrt basiert, als "3. Weg" bezeichnet, d.h. als Mittelweg zwischen Kapitalismus und Sozialismus. In Schweden wurde die neue Gesellschaft liebevoll "Volksheim" genannt; ein starker Staat, der fest entschlossen ist, sich solidarisch um seine Bürger zu kümmern.

DIE HEUTIGEN PROBLEME

Nach mehreren Jahrzehnten unaufhörlichen Wirtschaftswachstums wurde die schwedische Wirtschaft in den siebziger Jahren durch die Erdölkrise mit den ersten schweren Problemen konfrontiert.

Jedoch erst Anfang der neunziger Jahre wurde das Ausmaß der Strukturprobleme der schwedischen Wirtschaft offensichtlich. Die überhitzte Konjunktur der achtziger Jahre brach zusammen und riss große Teile des schwedischen Finanzsektors mit sich. Die weltweite Rezession zu Beginn der neunziger Jahre verlief in Schweden sehr aggressiv. Am schlimmsten war der dramatische Anstieg der Arbeitslosigkeit. Der schwedische Wohlfahrtsstaat wurde auf einer im internationalen Vergleich extrem hohen Beschäftigungsrate gegründet. Jetzt wuchs die Arbeitslosenquote innerhalb kurzer Zeit auf über zehn Prozent, wo sie sich im großen und ganzen noch immer befindet.

Die große Herausforderung im diesem Jahrtausend wird sein, das Volksheim zu retten und eineLand und Leute moderne Gesellschaft wiedererstehen zu lassen, die den schmalen "dritten Weg" weiterverfolgen kann, der eine starke, erfolgreiche Wirtschaft mit Sicherheit und Wohlfahrt für eine breite Bevölkerungsschicht vereint.