Hanjo 2008
Hanjo´s Gästebuch
Impressum
E-Mail an Hanjo
Freiheit

Setzen wir Freiheit mit Unbeschränktheit gleich, so drängt sich als nächstes die Frage auf: Unbeschränkt von wem oder was?

Der Lenin zugeschriebene Satz, Freiheit sei die Einsicht in die Notwendigkeit hilft uns auch nicht viel weiter, denn hierbei müsste zumindest unterschieden werden, wer oder was uns dies oder jenes als notwendig signalisiert oder gar aufzwingt.

Ist Freiheit nur als solche qualifizierbar, wenn sie erkämpft wurde? Oder handelt es sich hierbei um ein Grundrecht, das einzuschränken grundsätzlich unrechtmäßig ist?

Wie viel Freiheit benötigt der Mensch überhaupt? Können Teile unserer persönlichen Freiheit veräußert und gegen etwas anderes eingetauscht, beliehen oder verpfändet werden?

Mit welchem Recht schränken Menschen oder Organisationen (größere Teilmengen von Menschen) die Freiheit Einzelner oder ganzer Gruppen (Vereine, Verbände, Selbständige etc. bis hin zu Völkern, Rassen oder ethnischen Gruppen) ein? Haben nur Menschen ein Freiheitsdenken und –empfinden? Oder müssten wir die Freiheit der Tiere und aller organischen Lebensformen nicht ebenso bedingungslos anerkennen, um unsere eigenen freiheitlichen Lebensräume rechtmäßigerweise gewahrt und geachtet zu sehen?

Und wie steht es mit unseren Gefühlen? Wie frei leben wir diese aus, bzw. wie oft sehen wir uns – gesellschaftlich konsentierterweise – genötigt, diese zu unterdrücken, nicht zu zeigen, ja nicht einmal uns selbst zu gestatten?

So viele Fragen sich hierbei auftun, so unstrittig und exemplarisch können wir einige Parameter identifizieren, die unsere Freiheit mehr oder minder massiv einschränken:

Der Staat

Hier haben wir es sicherlich mit dem massivsten Beschränken persönlicher Freiheit überhaupt zu tun. Als Summe der Sozialitäten (Gemeinschaften), innerhalb derer sich Leben und Familie, Beruf und Freizeit, Kindheit, Jugend und Alter abspielen, maßt sich dieser Moloch an, faktisch unser gesamtes Leben zu bestimmen. So legen in Deutschland knapp 100.000 Gesetze, Verordnungen und Bestimmungen die ca. 75 Lebensjahre von Millionen Menschen fest. Er bestimmt vom Geburts- bis zum Totenschein alles. Bildung (Schulpflicht) und Erziehung, Beruf (Qualifikation und Ausübung) und die dementsprechende Zugehörigkeit (Gewerkschaften, Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern); die maximale Wochen-, Jahres- und Lebensarbeitszeit; die Vorsorge für die Absicherung gegen Krankheit, Berufsunfähigkeit sowie das Alter; Art, Höhe und Bauweise der Häuser, in denen die Menschen leben möchten; Wirtschaftsstrukturen und Handel, Import und Export, Warengüterklassen und die Ausgestaltung der Betriebe; das Familienleben und selbst die Tiefe eines Grabes. Alles regelt, bestimmt und (ver)ordnet der Staat – mit der Begründung, dass ansonsten die Menschen in Chaos und Anarchie lebten.

Davon abgesehen, dass Chaos (entgegen landläufiger Meinung) nicht Unordnung, sondern Nichtordnung bedeutet und das Wort Anarchie tatsächlich Herrschaftslosigkeit und Selbstbestimmtheit sowie den leeren, nicht fremdheitlich bestimmten Raum bezeichnet (den es mit Mut und Kraft, persönlichem Engagement, Geist und Fleiß zu füllen gälte), stellt der Staat damit seinen Mitbürgern ein entwürdigendes Zeugnis totaler Unfähigkeit und Unmündigkeit aus, ihr persönliches Leben wie auch das Miteinander in der Familie und größeren Gruppen in einer ethisch sauberen, selbstbestimmten Weise zu gestalten.

All dies wäre dem Staat jedoch gar nicht möglich, wenn sich ihm dazu nicht hunderttausende unserer Mitbürger als willfährige Büttel zur Verfügung stellten – als Beamte und öffentlich Bedienstete –, die in seinem Auftrag über die Unfreiheit ihrer Mitbürger wachten. Dass sie sich dabei auch gleich selbst entfreiheitlichen, wird den meisten Obrigkeitsbediensteten in Ämtern und Behörden, Schulen und Universitäten, pseudoprivatisierten Betrieben sowie in offiziellen staatlichen Firmen und Organisationen gar nicht klar. Ihr Auftrag ist von dritter (gesetzlicher) Seite festgelegt, unterliegt somit also weder ihrem eigenen Willen und eigenen Zielen, noch ihrem eigenen Einfluss. Genau dies bedingt aber die geistig-seelische Anonymität, in der sie ihr Berufsleben als Garanten der Unfreiheit ihrer Mitbürger durchlaufen und die ihnen überlassenen Ressourcen (öffentliche Gelder, Zeit und Humankapital) ebenso anonym und sinnlos verschwenden.

Lohn dieser Überwachungsfunktion der Unfreiheit der übrigen Bürger ist eine unkündbare Berufstätigkeit, ein gesichertes Ein- und Auskommen sowie ein ebenso gesicherter Ruhestand. Sie sind im Falle von Krankheit und Erwerbsunfähigkeit fremdabgesichert und wähnen sich als veritable Hüter und Wächter des Systems, welches ihnen diese Sicherheit garantiert, über dessen Effektivität vor allem aber seine Finanzierbarkeit sie sich jedoch keinerlei Gedanken machen (müssen) – im Gegensatz zu jedem anderen, der seine Produktivität jeden Tag erneut unter Beweis stellen muss, um nicht seinen Arbeitsplatz zu verlieren oder seinen Betrieb in den Konkurs zu führen.

Sie sind die Hütehunde des staatlichen Entmündigungs- und Zwangswesens, welches sich – einem Krebsgeschwür im Körper eines einzelnen Menschen sehr ähnlich – unaufhaltsam weiter fortpflanzt. Der Krebs in einem Menschen stirbt erst, wenn er seinen Wirt ermordet und sich damit selbst die Lebensgrundlage entzogen hat. Staaten brechen zusammen und werden ein leichtes Opfer – entweder für andere Staaten oder revolutionäre Systemveränderungen –, wenn sie sich auf dem Wege der gesellschaftlichen Verunfähigung und Ent-Freiheitlichung buchstäblich selbst erwürgt haben.

Stellen Sie sich kurz folgendes Szenario vor:

Im Jahre 2035 entfiele (unterstellt man den ungehinderten Fortlauf heutiger Verhältnisse) auf einen Erwerbstätigen ein Rentner [heutiges Verhältnis: ca. 1,9:1 (Arbeitslose und ABM-Beschäftigte bereits abgezogen)] . Gleichzeitig käme auf sechs Erwerbstätige ein öffentlich Bediensteter (heute: 12:1). Der jede Kreativität und freiheitliche Selbstverwirklichung erwürgende und vor allem den Mittelstand in höchstem Maße gefährdende Staat untergrübe bis dahin – dank und mit Hilfe seiner öffentlich bediensteten Heloten und der von diesen verfochtenen und durchgesetzten Paragraphen – seine gesamte Lebensgrundlage. Derartige staatliche Selbstmorde finden wir in der Geschichte zuhauf – zuletzt Ende der 90er Jahre (DDR, UdSSR).

Perfiderweise begründet der Staat sein Tun und Treiben damit, dass er ja gleichzeitig der Garant für Frieden, Sicherheit und soziale Ausgewogenheit sei, vor Übergriffen fremder Mächte und der Kriminalität im Inneren unseres Staatswesens schütze und im übrigen alles daran setze, die Menschen in chancengleicher Weise zu weiterem Wohlstand zu führen. Die meisten Menschen wagen nicht einmal, sich dieser Begründung auch nur gedanklich zu widersetzen und können sich deshalb eine Alternative hierzu auch gar nicht vorstellen.

Dass genau das Gegenteil der Wahrheit entspricht, der Staat also gerade durch seine Zwangs- und Gewaltmonopole die Ängste und Nöte, Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten sowie (deshalb) wachsende Kriminalität verursacht und ein ständig sinkendes ethisches Bewusstsein im Staatswesen generiert, wird seinen Apologeten und Protagonisten wohl niemals zu vermitteln sein.

Leider verschließt sich diese Logik aber auch den davon so unselig betroffenen BürgerInnen weitestgehend. Ahnen ersetzt hierbei Wissen.

Der Grund hierfür ist darin zu sehen, dass die Menschen um so linearer (ausschließlich auf ihr eigenes Leben in Familie und Beruf bezogen) denken, fühlen und handeln, je komplexer das Staatswesen konzipiert ist, innerhalb dessen sie zu überleben suchen, ihr Leben gestalten und Nischen bewahren wollen.

Auch hierzu hat sich der Staat etwas einfallen lassen:

Bereits im 17. Jahrhundert wurde das bis dahin vorherrschende (noch wesentlich natürlichere) Denkfühlen der Menschen getrennt: Die geistigen Bereiche (Schule, öffentliche Erziehung, Universitäten, Forschung, Entwicklung und die Wissenschaften) wurden künftig als Domäne des Staates von diesem verwaltet (i.e. unter strikte Kuratel genommen), während man den (nunmehr völlig getrennten) emotional-spirituellen Raum den Religionen überließ, die in Deutschland sogar staatlich (in weltweit einzigartiger Weise) üppig subventioniert werden. Wer nämlich Verstand und Gefühl eines Menschen beherrscht, hat damit auch den Menschen selbst, sein Tun und Handeln, seine gesamte Existenz unter stringenter Kontrolle!

Ebenso verhält es sich jedoch auch mit der nächsthöheren Ordnung – einer Gruppe von Menschen bzw. einem ganzen Staat. Ordnen wir dem Denken alle Geist-dominierten Faktoren zu und setzen wir dem das Gefühlsleben, die Emotionalität und das spirituelle Empfinden (summiert in der Religion und dem öffentlich doktrinierten Moralbegriff) als Gegenpol gegenüber, so wird sehr schnell deutlich, in welch ungeheurem Maße diese Konkordanz von Staat und Kirche unser Aller Leben zwanghaft und unerbittlich kontrolliert und reglementiert.

Welcher Organe (Institutionen und Organisationen) sich der Staat hierzu und mit Hilfe seiner öffentlich-rechtlichen Bediensteten noch bedient, werden wir im folgenden näher untersuchen.

Nach dieser allgemeinen Betrachtung des öffentlich-rechtlichen Bediensteten-(Un)wesens erhebt sich aber die Frage, wer denn wem die Macht gibt, sich als Staat derart ungehemmt anzumaßen, das gesamte Leben aller in seinen Grenzen lebender Menschen von A bis Z zu bestimmen, sie nahezu aller Freiheiten zu berauben, um ihnen andererseits – in geradezu hybrider Selbstüberschätzung – Sicherheit und Ordnung zu versprechen?

Lassen Sie uns die Antwort auf diese Frage noch etwas verschieben und konzentrieren wir uns auf die Mechanismen, derer sich der Staat zur Verunfreiheitlichung seiner Bürger bedient.

Weiter